Florian Borkenhagen

Im Mittelpunkt von Borkenhagens Schaffen steht wieder der Hafen: Heimat, Sehnsuchtort, Zeuge von Abschieden und Ankünften – schön und schäbig, geschäftig und träge, geheimnisvoll und trist. Wie kein anderer ergründet und entzündet der Bildhauer und Fotograf die Poesie des Liegengelassenen, Vergessenen und Unsichtbaren. Seine Werke sind eine Verbeugung vor ächzenden Industrieanlagen, beispiellosen Formen und überflüssig gewordenen Gebrauchsgegenständen.
Dabei verliert sich der Professor für Design nicht in anmutiger Nostalgie – im Gegenteil: seine Exponate sind einerseits vom Hafen inspirierte hochmoderne Formexperimente und andererseits aus Fundstücken zusammengesetzte Neuinterpretationen. Wer die Verbindung sucht, findet sie – wer sie nicht sucht ist dennoch angeregt.
Die Ausstellung gleicht einem Theaterstück, die Skulpturen sind Schauspieler und Bühnenbild zugleich – ihre Geschichte erzählt sich ohne Worte. Wild und witzig.
Auch wer Borkenhagen bereits als Künstler kennt wird überrascht sein: schrille Formen, Farben und Materialien, dazu ein schier unerschöpflicher Bestand an Fundstücken. Mal entsteht unter seiner Fantasie hochmodernes Design mit Gebrauchswert, mal versorgt er abgewirtschaftete Gebrauchwerte mit einer ‚zweiten Luft’.
Es inspiriert und macht Spaß dem Künstler Florian Borkenhagen in seine Welt zu folgen, in der Absurdes aus Naheliegendem geschaffen wird und sich Design zu Kunst wandelt.


Vita

Die Arbeiten Borkenhagens bewegen sich bewusst an der Schnittstelle von Kunst und Design. Seine Skulpturen laden häufig zur Interaktion ein, während seine Entwürfe im Möbel- und Interiordesign oft skulpturalen Charakter haben.
Seit 1982 stellte Borkenhagen in zahlreichen Galerien und Museen in Europa und den USA aus, u. a. auf der documenta 8 in Kassel. In den neunziger Jahren gründete er das interdisziplinäre Laboratorio Como, wo er u. a. das Design- und Skulpturenkonzept der Industriearchäologie entwickelte. 1997 war er Mitinitiator von First Aid for Bad Art - einem Erste-Hilfe-Projekt für „schlechte Kunst“. Zuletzt sorgte sein Skulptur-Projekt travel a head für Aufsehen. Eine vier Meter hohe Kopfskulptur reiste zwischen 1998 und 2000 auf Containerschiffen um die Welt.

Borkenhagen arbeitet zusammen mit Künstlern, Designern, Architekten, Philosophen, Film- und Theatermachern und Industrieunternehmen. Er leitet Workshops in Europa und Afrika und beteiligt sich an Seminaren.


Ausstellungen

1982 Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Möbel Perdu - Schöneres Wohnen
1984 Kunstverein Hannover, Neutronensturm
1985 Eröffnungsausstellung Hannover, Anthologie Quartet
1987 documenta 8 Kassel
1988 Eröffnungsausstellung Frankfurt a. M., Art to Use; Galerie Möbel perdu Hamburg Inventar; Ornamenta 1 Pforzheim
1990 Kunstverein Hamburg, Heimspiel; Colonna Hannover, Fundsachen und Denkbares; Galerie Quo Vadis Stuttgart Spass beiseite
1991 Burda News Berlin, Die innere Mogelei
1992 Wunderhaus München, Hommage an Kolumbus; Transmöbel Mailand; Newspace Art Atelier Salem, Como di notte; Artmobiliar Hamburg, Möglichkeitsobjekte; Mediale Hamburg, Restroom
1993 Galerie Quo Vadis Stuttgart, Ökumenische Habseligkeiten; Galerie am Wasserturm Konstanz, Revolta; Gärtner Hamburg, Kreuz
1994 Galeria Giacomo Manoukian Como, No ma di lusso; Commune di Como Iconografia; Galerie Blau Freiburg, Allez les bleus; Museum für Kunsthandwerk Frankfurt a. M., 6. Triennale; Galeria Roberto Lietti Como, Laboratorio Como; Design Horizonte Frankfurt a. M., Felt Filz
1995 Galerie Blau Freiburg, Industrie Archäologie; Art Hotel Nabern, Möbel für unterwegs; München Landpartie; Museum Mathildenhöhe Darmstadt, e.g.o. kosmos
1996 Lichthaus Remagen Köln, Passagen; Kennedy Park DGI Düsseldorf, Florian Borkenhagen; Wichers Hamburg, Neuigkeiten; Nicexpo Kunstmesse Nizza, D'art direct; Toronto, Deutsches Design; Kopenhagen Deutsches Design
1997 Mott Gallery New York City, Unclaimed Cities - Abandoned Desires; Documenta X Kassel, First Aid for Bad Art; Abidjan, travel a head
1998 Vitra Design Museum, Weil am Rhein, Bewußt einfach
1998–2000 Hamburg, New York City, travel a head
2003 Hamburg, Fernweh - Heimweh
2005 Galerie Ruth Sachse Hamburg, Wo ist geerdet
2009 ammann//gallery, Köln, TransSakrales
2010 Design Miami/Basel, Miami Babel; Cologne Fine Art & Antiques, Design Lounge
2015 one and many chairs, ammann//gallery, Köln[1]
2016 between all chairs, ammann//gallery, Köln[2]